Niedersächsische Technische Hochschulen

Leibniz Universität Hannover
Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW)
- Projektkoordinator -
An der Universität 2
30823 Garbsen
www.ifw.uni-hannover.de


Technische Universität Clausthal
Institut für Polymerwerkstoffe und Konststofftechnik (PuK)
Agricolastraße 6
38678 Clausthal-Zellerfeld
www.puk.tu-clausthal.de


Technische Universität Braunschweig
Institut für Flugzeugbau und Leichtbau (IFL)
Herrmann-Blenk-Straße 35
38108 Braunschweig
www.ifl.tu-bs.de



Hochschulforschung für die Serie. Dr. Carsten Schmidt zeigt, wo die NTH angesiedelt ist. ©CFK NORD/Lüder
Das Forscherteam der Niedersächsischen Hochschulen im CFK NORD ©IFW/Schmidt

Forschergruppe HP CFK


Die Hochschul-Allianz


Forscherteams von drei niedersächsischen Universitäten haben sich zusammengetan, um in Stade eine gemeinsame Vision umzusetzen: CFK-Grundlagenforschung mit Serienanspruch.


Eigentlich sei das ja ein Widerspruch, räumt Dr. Carsten Schmidt ein, der die Forschergruppe „Hochleistungsproduktion von CFK-Strukturen“ im Forschungszentrum CFK Nord leitet. Denn Grundlagenforschung passiere in der Regel losgelöst von wirtschaftsorientierten Zielsetzungen. „Das aber ist genau das Besondere und Spannendende hier in Stade: Universitäre Forschung, aber mit der klaren Zielsetzung großserieller Fertigung“, erläutert Schmidt.


Drei Unis mit vier Themenfeldern


Hinter seiner Forschergruppe stehen drei technische Universitäten: Die Leibniz Universität Hannover, die TU Clausthal und die Technische Universität Braunschweig. Sie erforschen in vier Themenfeldern Leichtbauteile aus carbonfaserverstärkten Kunststoffen (CFK). Die TU Braunschweig widmet sich hierbei Bauweisen, die TU Clausthal Werkstoffen und Prozessen und die Uni Hannover der Produktionstechnik und Prozessautomatisierung. In einem weiteren Projekt werden die unterschiedliche CFK-Prozessketten und deren Wirtschafltichkeit von den Hannoeranern bewertet.  


Ein erstes größeres Projekt haben die Uni-Forscher in diesem Jahr bereits erfolgreich abgeschlossen. "Jetzt arbeiten wir an drei weiteren Projekten, in denen es unter anderem um die Weiterentwicklung automatisierter CFK-Fertigungsprozesse und deren Überwachung geht. Ferner beschäftigen wir uns mit hybriden Materialansätzen", erläutert Schmidt.


Nach wie vor, so Schmidt, sei Airbus ein ganz wesentlicher Antreiber für viele praxisnahe Ansätze in der Forschung. "Unser Projekt Therm-O-Plan beispielsweise basiert auf einem ganz konkreten Problem in der Produktion." Hier gehe es um die wärmebildgestützte Überwachung von Automated Fiber Placement Prozessen. Insgesamt , so Schmidt, werde das Thema Produktionstechnik immer wichtiger, das werde nicht zuletzt an den Rückmeldungen aus der Flugzeugbranche deutlich.


Große Chance für Doktoranden


Zwölf wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten zurzeit in dem interdisziplinären Team. Für sie bedeutet die praxisnahe Forschungsarbeit eine große Chance.In Kooperationen wie etwas mit Airbus oder dem Epoxidharzspezialisten Olin erhalten sie direkte Einblicke in Produktionsabläufe. Daneben liefern ihnen die tagtägliche Zusammenarbeit im Team und der wissenschaftliche Diskurs weitreichende Einblicke in unterschiedliche Forschungsgebiete und Kompetenzfelder der drei Forschungsinstitute. "Sie erhalten hierdurch eine deutlich erweiterte fachliche Qualifikation, die ihnen nach ihrer Promotion im industriellen Umfeld zugute kommen wird" sagt Schmidt.


Unvorbelastete Forschung


Grundsätzlich, so Schmidt, sei der Austausch der Forscher untereinander und die unmittelbare Nähe zur Problemstellung ein unschätzbarer Wert am Standort Stade: „Wir wollen ja keine Forschung im Elfenbeinturm, die Chance zum späteren Technologietransfer ist uns wichtig“. Die jungen Nachwuchsforscher würden gut ausgebildet aber nicht „vorbelastet“ nach Stade kommen, was durchaus ein Vorteil sei. „Sie begegnen Problemstellungen möglicherweise ganz anders, als ein Forscher mit langjähriger Erfahrung“.


Kooperationen mit der Autobranche


Grundsätzlich habe sich der Ansatz der drei Universitäten als richtig erwiesen: Die kooperierende Grundlagenforschung mit Serienanspruch in den Disziplinen Auslegung und Simulation, Werkstoffkunde und Produktionstechnik mache bereits Schule und sei beispielsweise auch in das Schwerpunktprogramm 1712 der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeflossen, erläutert Schmidt. Hier werden in acht Teilprojekten sogenannte "Intrinsische Hybridverbunde von Forschungseinrichtungen " aus dem gesamten Bundesgebiet erforscht. "Neben der Luftfahrtindustrie stößt dieses Thema insbesondere im Automobilbau und der Zulieferindustrie auf großes Interesse", stellt Schmidt fest.


Wie überhaupt sich die Automobilbranche für die Faserkunststoffverbunde interessiere. In einem von der Volkswagenstiftung geförderten Projekt verfolgt das Forscherteam zurzeit ein neues hybrides Materialkonzept, welches sowohl duroplastische, thermoplastische und auch elastomere Eingenschaften besitzen wird. "Der Initiatot  ist hierbei der Flugzeugbau gewesen, ein Transfer der Technologie ist bei bestehender Reife auch in den Kraftfahrzeugbau vorstellbar", so Carsten Schmidt.